50. Stuttgarter Antiquariatsmesse

 im Januar 2011
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  Württembergischer Kunstverein
Schloßplatz 2 in Stuttgart

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Alter Narr - was tun?


                                                                                                                                     ©  Silvie Brucklacher

Hans Dieter Reichert und sein Freund Roger Klittich

 

Zwei Büchernarren und "Der Narren Spiegel"

Die Zwei bringen es zusammen auf 150 Jahre im Narrentreiben des ganz normalen Lebens. Der Narren Spiegel, den sie in Händen halten, ist wesentlich älter. Seit einem halben Jahrhundert sind die Porträtierten durch die Stuttgarter Antiquariatsmesse in Freundschaft verbunden. Schon mancher alte Witz und manche aktuelle Dummheit haben sie zum Lachen gebracht. Es scheint so, als ob Hans Dieter Reichert und Roger Klittich im Buch ihrer unverbürgten Erinnerungen blätterten und die Narretei des Jahrhunderts entdeckt hätten. Das Foto wird demnächst in einem Buch der "Köpfe" (Stuttgarter Köpfe, fotografiert von Silvie Brucklacher - Gunzenhäußer) veröffentlicht. In ihm sind weibliche und männliche Typen vereinigt, die im Ländle bekannt, berühmt und berüchtigt sind. Über diese Köpfe wird einmal die Geschichte befinden, ob sie Narren oder Weise waren. In jedem Fall gilt der alte Kölner Spruch: Jeder Jeck ist anders! Damit endet das Kapitel, Deckel zu, kein Kommentar. Nun haben alte Narren Ruh und es schweigt der Antiquar

... und nun schweigt er doch nicht! Zur Jubiläumsmesse (50.) gibt es was zu sagen:

Im Vorwort zu "Schätze & Scharteken - Antiquariatskataloge im 19. Jahrhundert" schrieb Eberhard Köstler im Vorwort zur Messe 2008: "Daß die Nachwelt dem Mimen keine Kränze flicht, hat zuerst der Theatermann Schiller so formuliert. Viele andere Berufsstände erleiden aber dasselbe Schicksal. Sie werden von der Mitwelt gefeiert oder verissen und von der Nachwelt schnell vergessen. Die Antiquare bilden hier keine Ausnahme. Während ihrer aktiven Geschäftszeit ist ihr ganzes Streben naturgemäß auf die kaufmännische Vermittlung ihrer Ware gerichtet, also auf Einkauf und Auswahl, Veredelung durch exakte Beschreibung der Seltenheiten und schließlich auf den Verkauf. Ihre Arbeit richtet sich an die Mitwelt, nicht an die Nachwelt. >>Was bleibet aber<< stiften in ihrem Falle nicht die Dichter, sondern allein die von ihnen veröffentlichten Kataloge. Sie bilden das schriftliche Hauptvermächtnis des Antiquars, aufgrund dessen man sich seiner hauptsächlich erinnert, das seine An- und Verkäufe, bisweilen auch sein Niederlagen dokumentiert."

Fritz Eggert, einer der drei Protagonisten der Stuttgarter Antiquariatsmesse sagte in den Gründerjahren einmal schlagzeilenreif: "Wir handeln mit dem teuersten Altpapier der Welt." Das wohl teuerste in der bisherigen Geschichte der Messe waren Tenscherts illuminierte Werke der Heiligen Schrift, deren Preise in die Millionen gingen. Eines der originellsten "Handschriftenobjekte" war ein von James Fenimore Cooper unterschriebener Scheck über 20 Dollars. Ob er sich dafür (1789 - 1851) ein 1/2 Pferd oder eine Springfield - Rifle eingehandelt hatte, wissen wir nicht, - leider, das Dokument wäre wohl unter 300 Euro nicht zu bekommen. Im Bereich der "Württembergica" hatte das Textbuch des Schwäbischen Charakterstücks mit Gesang in einem Akt "Onserm König seine Spitzer" das Hundeleben Ende des 19. - und Anfang des 20. Jahrhunderts in Stuttgart beleuchtet, wobei allen gesagt sei, dass 'Spitzer' Hunde von der Rasse Spitz und keine bürokratischen "Dipfelesscheißer" (Griffelspitzer) sind, von denen hinwiederum jeder ein echter Spitz ist. Zum Volkswohl wollte unser Haus (Klittich-Pfankuch) einmal mit dem fürstlichen Traktat aus einer Hofbibliothek beitragen, das den Brantweingenuß auf das Entschiedenste verdammte. Erworben wurde es von einem renommierten Gastronomen, der damit an seinem Philologenstammtisch große Erfolge als gebildeter Schöngeist feierte.

Solche Geschichten ließen sich mehr als "1000 und 1" erzählen, allesamt Wahrheiten und keine Volksmärchen, wie ja auch die Herren Antiquare keine Märchenerzähler wie zum Beispiel die hochgehandelten Gebrüder Grimm sind. Antiquare sind wie alle Geistespfleger der Wahrheit "und immer nur der Wahrheit" verpflichtet, auch wenn ihre Profession noch soviel mit dem Geschichtenerzählen zu tun hat, das wie Fritz Eggert auch einmal sagte "angeboren" ist. "Er" konnte es fürwahr trefflich. Und seine Lehrlinge üben sich weiter darin, in den nächsten 100 Jahren. Und wenn sie dann nicht gestorben sind, dann ...

 

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Prokurist Dr. Karl Klittich - Ust - IdNr. DE 114 881 172   /  St.-Nr. 14  /  202  /  04499